Linz an der Tramway

Entlang der Linie 1 von Schillerplatz bis Blumauerplatz

Rundgang: Linz an der Tramway

Entlang der Linie 1 von Schillerplatz bis Blumauerplatz

Schillerplatz

Seit Anfang des 17. Jahrhunderts stand hier das Siechenhaus Straßfelden, wo – weit weg von der Stadt – die Kranken und Aussätzigen untergebracht waren. Als die Barmherzigen Brüder mit ihren Kranken in das Haus an der Herrenstraße zogen, wurde das alte Gebäude als Militär-Knabenerziehungsinstitut, Choleraspital und Kaserne verwendet. 1912 riss man das Haus ab und gestaltete den Platz. In der Südwestecke des Platzes befindet sich die Bundesstaatliche Studienbibliothek, die für wissenschaftliche Arbeiten häufig die erste Anlaufstelle ist.

Volksgarten

Vor gut 160 Jahren kaufte ein Urfahraner Kaffeehausbesitzer einen Acker von der Stadt und ließ ihn nach dem Vorbild des Wiener Praters gestalten. Das Geschäft mit den Schaukeln florierte nicht recht. So übernahm die Stadt das Areal als Erholungsgebiet für die sich immer stärker nach Süden ausdehnende Stadt und ließ hier den berühmten Volksgarten errichten, der sich nach seinem Umbau zu einem der beliebtesten Linzer Veranstaltungssäle entwickelte. Nach schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude abgetragen.
Im Volksgarten stehen ein Stelzhamer-Denkmal, das an den Schöpfer der oberösterreichischen Landeshymne erinnert, ein Turnvater-Jahn-Denkmal und die von Anton Hanak geschaffene Brunnenanlage Freude an der Schönen.

Unterführung Blumauerplatz

Bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts gab es an dieser Stelle eine niveaugleiche Kreuzung von Eisenbahn und Straße. Der Eisenbahnschranken war oft geschlossen, und die anderen Verkehrsteilnehmer – damals vor allem Radfahrer und Fußgänger – standen im Stau. Die Lösung dieses Problems war der Bau einer Unterführung, zumal man in der Zeit hoher Arbeitslosigkeit auch öffentliche Bauvorhaben förderte.

Landstraße 12, 14, 15, 15a, 16, 22, 28, 30, 31, Ursulinenkirche, 33, 49

Rundgang: Linz an der Tramway

Landstraße 12, 14, 15, 15a, 16, 22, 28, 30, 31, Ursulinenkirche, 33, 49

Landstraße 12, Palais Weißenwolff

Johann Michael Prunner, der geniale Linzer Baumeister, schuf das Stadtpalais für den Grafen Weißenwolff zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Besonders auffallend sind zwei Atlantenfiguren, die einen geschweiften Balkon tragen. Die mit Vasen und antik wirkenden Figuren geschmückte Attika, hinter der das Dach versteckt ist, betont den barocken Gesamteindruck.

Landstraße 14

In diesem palaisartigen Barockgebäude lebten unte randerem die Eltern des Jesuitenmissionars und Chinaforschers Xaver Ernbert Fridelli und der Schöpfer zahlreicher Linzer Altarbilder, Bartolomeo Altomonte.

Landstraße 15, 15a

Etwa ab 1300 standen hier das Bürgerspital und die dazugehörige Bürgerspitalskirche. Das Bürgerspital war kein Krankenhaus, sondern diente der Aufnahme verarmter und alter Bürger. Ihm gehörten 29 Tagwerk Acker und dreieinhalb Tagwerk Wiesen (Spittelwiese). 1790 übersiedelten das Oberpostamt und die Postwagenexpedition hierher. Außerdem war zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Polizeidirektion hier untergebracht, un auch die Spitalsschule hatte lange hier ihr Heim. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bürgerspitalskirche abgerissen und an ihrer Stelle das noch heute bestehende Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Der in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts als erstes Gebäude in Linz in Stahlbeton-Skelettbauweise errichtete Winklerbau steht an der Stelle des früheren Bürgerspitals. An dieses erinnert nur mehr die Ölberggruppe, die im Hof aufgestellt ist.

Landstraße 16, ehemaliges Schlägler Stiftshaus

Im Zuge der Gegenreformation suchten viele oberösterreichische Klöster in Linz ein eigenes Haus zu erwerben. Da im Altstadtbereich der Platz beschränkt war, wichen manche Klöster in die Vorstadt aus. Die Landstraße, wo bis dahin vor allem Stadel und kleine Handwerkerhäuser standen, wurde bevorzugtes Bauareal. In der Mitte des 17. Jahrhunderts entwarf Francesco Canevale diesen Renaissancebau mit zwei Erkern. Seit gut 140 Jahren befindet sich darin die Apotheke Zum schwarzen Adler, die ursprünglich am Hofberg ihren Standort hatte.

Landstraße 22, Florianer Stiftshaus

Auch dieser Rennaissancebau stammt aus dem 17. Jahrhundert. Baumeister war Marx Martin Spaz. An der Hoffront sind Arkaden auf römisch-toskanischen Säulen erhalten.

Landstraße 28, ehemaliges Lambacher Stiftshaus

Dieser Bau mit seinen Spätrenaissanceforen entstand ebenfalls im 17. Jahrhundert. Da damals die Landstraße noch nicht durchgehend verbaut war, konnte man auch noch im Süden Fenster anlegen.

Landstraße 30, Klosterhof

Der Klosterhof, dessen schattigen Gastgarten alle Linzer kennen, gehörte rund 160 Jahre dem Kloster Baumgartenberg. Kaiser Joseph II. hob es 1784 auf, und das Stift Kremsmünster, das sein Palais in der Herrenstraße an den ersten oberösterreichischen Bischof abtreten musste, zog ein. Die Übersiedlung war nicht allzu schwierig, da die Gärten der beiden Häuser aneinander grenzten. Eine Kopie des Kremsmünsterer Abtwappens – das Original befindet sich in der Altstadt 10 – beim Eingang in der Bischofsstraße erinnert noch an die klösterliche Zeit. Rund 150 Jahre beherbergte das Haus auch die Studienbibliothek. Seit 1930 befindet sich hier der beliebteste Klosterhof.

Landstraße 31, Landeskulturzentrum Ursulinenhof

Die Ursulinen kamen 1679 gegen den Willen der Bevölkerung nach Linz und ließen bis 1760 ihr Kloster nebst dazugehörigen Kirche errichten. Sie kümmerten sich von Anfang an um sechs Internatszöglingen. Anschließend eröffneten sie auch eine externe Unterrichtsanstalt mit 40 Schülerinnen, großteils Töchter angesehener Bürger. Die Ursulinen übernahmen auch die Theresianischen Schulreformen und führten bereits vor zirka 220 Jahren die erste Mädchenhauptschule ein. Damals hatten sie schon 300 Schülerinnen. In unserem Jahrhundert wurde entlang der Dametzstraße ein weiteres Schulgebäude errichtet. 1968 wurde die Ursulinenschule aufgelassen, die letzten Nonnen verließen Linz 1986. Das Land Oberösterreich hat das ehemalige Kloster zum Landeskulturzentrum umgestaltet. Zahlreiche wissenschaftliche, Kunst- und Kulturvereine, aber auch das Landesinstitut für Volksbildung und Heimatpflege sowie die Experimentierbühne des Landestheaters, der Theaterkeller, haben hier ihren Sitz. Das Gebäude an der Dametzstraße dient als Offenes Kulturhaus und als Stätte des Programmkinos Moviemento.

Ursulinenkirche Erzengel Michael

Gleich nach ihrer Ankunft in Linz ließen die Ursulinen eine zunächst bescheidene Kirche errichten. Der österreichische Erbfolgekrieg, in dem Graf Khevenhüller die Stadt Linz erst von den Bayern für Maria Theresia zurückerobern musste, erzwang die Einstellung des kurz vorher begonnen Kirchenbaus. Von diesem Kampf um Linz ist ein großes Gemälde, das sich im Rathausfestsaal befindet, erhalten. Erst 1772 wurden die beiden mächtigen Türme, die heute die Landstraße dominieren, fertig. Neben Matthias Krinner haben auch Martin und Bartolomeo Altomonte an der Ausstattung mitgewirkt.

Landstraße 33, Karmeliterkirche

Schon 1670 kamen die Karmeliter nach Linz, um hier ein Kloster zu gründen. Zunächst waren alle – die Bürger, die schon bestehenden Klöster und vor allem der Stadtpfarrer, der um seine Einkünfte fürchtete – dagegen. Nur durch einen Strohmann gelangten die Karmeliter an ein Haus an der Landstraße. Noch jahrelang beschäftigten die Streitereien zwischen den verschiedenen Parteien die Behörden. 1690 begann der Bau der eher ungewöhnlichen Kirche, deren turmlose Fassade die Karmelitinnenkirche in Prag nachahmt. 1710 erhielten die Karmeliter Verstärkung – Schwestern des gleichen Ordens zogen ebenfalls nach Linz. Ihr Kloster befand sich an der Herrenstraße und wurde unter Kaiser Joseph II. den Barmherzigen Brüdern übertragen.

Landstraße 49, Kaufmännisches Vereinshaus

Früher stand an dieser Stelle das Herrenhaus zu Straßenfelden. Wer nicht mehr rechtzeitig die Stadt erreichte, konnte hier übernachten. Knapp vor 1900 entschloss sich der Kaufmännische Verein, an dieser Stelle ein großes, repräsentatives Gebäude mit neobarockem Dekor und einem kuppelbekrönten Eckturm errichten zu lassen, womit er seine bedeutende Stellung in der Gesellschaft demonstrierte.

Entlang der Linie 1 von der Nibelungenbrücke bis zum Taubenmarkt

Rundgang: Linz an der Tramway

Entlang der Linie 1 von der Nibelungenbrücke bis zum Taubenmarkt

Über die Nibelungenbrücke gelangen wir auf den Hauptplatz und fahren ab dem Traubenmarkt die Landstraße entlang.

Sie stellt als natürlicher Nord-Süd-Weg die bedeutendste Verkehrsache von Linz dar. Sie bildet den alten Einzugsweg seit der Erweiterung des Stadtgebietes durch den Hauptplatz im 13.- Jahrhundert. Schon im 16. Jahrhundert trug sie ihren Namen, weil sie geradewegs auf das Land führte. Ihre Erhaltung wurde durch eine Maut ermöglicht, die erst Ende des 18. Jahrhunderts abgeschafft wurde. Bis zur Einführung der offiziellen Straßenbezeichnung 1869 wurde die Landstraße bis zur Harrachstrasse als innere Landstraße bezeichnet, von dort bis zur heutigen Bismarckstraße als äußere Landstraße. Die Weiterführung der Straße ging in den alten Ortsteil Neuhäusl – 1694 erstmals erwähnt – über. Im 16. und 17. Jahrhundert hieß die Gegend vom Kaufmännischen Vereinshaus bis zum Volksgarten Straßfelden nach dem gleichnamigen Hof und Edelmannssitz – heute Kaufmännisches Vereinshaus.

Die Entwicklung der Landstraße von einer Vorortsstraße zur zentralen Verkehrsader der Stadt führte vor allem im 19. Jahrhundert zu einer grundsätzlichen Veränderung der Bausubstanz und des Straßenbildes. Städtebaulich bestimmend waren der Schmidtordurchbruch 1861 – 1863 sowie das Entstehen des Neustadtviertels ab 1864. Besonders die östliche Straßenseite wurde ab der Mitte des 19. Jahrhunderts neu gestaltet. Reste der ursprünglichen Verbauung finden sich noch an einigen Häusern am Taubenmarkt. An der Westseite der Landstraße haben sich die Frei- und Stifshäuser zum größten Teil erhalten – Schlägler Striftshaus (Nr. 16), Florianer Stiftshaus (Nr. 22) und Palais Mannstorff (Nr. 32).

Der äußere Teil der Landstraße wurde ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts in der Art einer Stadtrandsiedlung verbaut, die sich bis Ende des 19. Jahrhunderts als eigener Vorort hielt und Neuhäusl hieß.
Im äußeren Bereich der Landstraße befinden sich an der westlichen Seite der neugestaltete Schillerpark und das Areal des Städtischen Volksgartens, der auch den südlichen Abschluss der Landstraße darstellt.

Linz hieß nicht nur Linz an der Tramway, es wurde of auch spöttisch als Linz an der Landstraße bezeichnet. Dass dieser Spitzname, der vom Korso kam – am Abend oder an Samstagen und Sonntagen promenierte man über die Landstraße, stellte die neuesten Kleider zur Schau und pflegte ein wenig Konversation -, auch heute noch ganz treffend ist, zeigt sich vor allem an Einkaufssamstagen. Auf der Landstraße herrscht dichtes Gedränge, Straßenmusikanten zeigen ihre Künste, an verschiedenen Standeln werden mehr oder weniger kunstvolle Dinge angeboten, die Straßenbahn klingelt im Dauereinsatz und bahnt sich mühsam ihren Weg durch die Menge. Die Seitenstraßen wirken leer, die Geschäftsbesitzer in den Nebenstraßen bekommen immer wieder zu spüren, dass die Linzer hauptsächlich an der Landstraße einkaufen.

Entlang der Linie 1 von der Eisenbahnbrücke bis zur Nibelungenbrücke

Rundgang: Linz an der Tramway

Entlang der Linie 1 von der Eisenbahnbrücke bis zur Nibelungenbrücke

Knapp vor der Eisenbahnbrücke fällt ein graues, nicht-rechtwinkeliges Haus aus der Gründerzeit auf. Seine extravagante Form kommt daher, dass zur Zeit des Hausbaus an dieser Stelle ein Polygonplatz geplant war, der aber später nicht mehr zur Ausführung gelangte. Die Straßenbahn kreuzt nun die Schienen der Eisenbahn. In hoffentlich naher Zukunft soll hier eine Verbindung zwischen Mühlkreis- und Eferdinger Lokalbahn über die Eisenbahnbrücke und Gruberstraße hergestellt und so eine Stadtbahn angelegt werden. Dies könnte die zahlreichen Pendler aus dem oberen Mühlviertel ermutigen, auf den öffentlichen Verkehr zum zusteigen.
In der Ferihumerstraße steht nun die neue Berufsschule, gleich anschließend daran befindet sich das Gymnasium Urfahr. Dazu ein kurioses Detail: Bereits in den Eingemeindungsverhandlungen von Urfahr nach Linz im Jahr 1919 war den Urfahranern der Bau eines Gymnasiums versprochen worden. Begonnen wurde erst 1969. Vorbei an der Dammverbauung von Perotti aus den sechziger Jahren kommen wir zur Wildbergstraße, wo sich im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Zentrum der jüdischen Schnapsproduktion befand.
Wir fahren nun weiter Richtung Zentrum. Auf der linken Seite befindet sich der Urfahrer Friedhof. Bis vor kurzem hieß die Straße, die an diesem vorbeiführt, Friedhofstraße. Im Zuge der Donautor-Verbauung wurde in dieser Straße auch eine noble Seniorenresidenz errichtet, weshalb die Straße in Friedrichstraße umbenannt werden musste, damit niemand frühzeitig in der Friedhofstraße wohnt. An der rechten Seite passieren wir das Bezirksgericht Urfahr. Es wurde 1909 nach dem Abbruch des schräg über dem Hinsenkampplatz stehenden ehemaligen Stationsgebäudes der Pferdeeisenbahn, das von 1880-1897 noch als Pferdetramwayremise verwendet wurde, errichtet. Nachdem die Pferde ausgezogen waren, diente das alte Gebäude noch zehn Jahre lang den Kindern von Urfahr als erster Turnsaal.

Vorbei an der Jahnschule, der ersten Urfahraner Bürgerschule, für deren Errichtung Leopold Mostny, der Besitzer der Schnapsproduktion im ehemaligen Gstöttnerhof, die Gründe kostenlos zur Verfügung stellte. Obwohl er Ehrenbürger von Urfahr war, wurde der 102jährige ins KZ Theresienstadt deportiert. An der Rudolfstraße, wo einst das Hotel Achleitner, das Renommierhotel von Urfahr, stand, das während der Besatzungszeit die russische Kommandantur beherbergte, klotzt heute das U-Punkt-Center, in dem zahlreiche Geschäfte und Ärzte untergebracht sind.

Anschließend daran befindet sich das sogenannte Donautor, das erst zu Beginn der neunziger Jahre gegen erhebliche Bürgerproteste gebaut wurde. Damit ist Alt-Urfahr-Ost bis auf drei Alibi-Häuschen endgültig verschwunden. Auch die Stadtwerkstatt, eine nicht umstrittene, aber weit über die oberösterreichischen Landesgrenzen bekannte Kulturinitiative, die ursprünglich in Lagerräumen untergebracht war und ihr Quartier mit Zähnen und Klauen verteidigte, musste den ehrgeizigen Plänen einer großstädtischen Brückenkopfsanierung weichen.

Das AEC (Ars Electronica Center) ist ein weit über die Grenzen hinaus bekanntes Museum. Beim Prix ars electronica beteiligen sich jährlich die renommiertesten Computerkünstler aus aller Welt.

Gegenüber dem Donautor befindet sich das Neue Rathaus. Das zentrale Verwaltungsgebäude wurde zu Beginn der achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts gebaut.
Jetzt arbeiten zirka 900 Magistratsbeamte darin, ein Großteil der Linzer Ämter ist hier zu finden. Obwohl manche Urfahraner den verlorengegangenen Objekten nachtrauern, gilt das Neue Rathaus doch als architektonisch gelungenes Beispiel eines großen Verwaltungsgebäudes.

Entlang der Linie 1 von Auhof bis zur Eisenbahnbrücke

Rundgang: Linz an der Tramway

Entlang der Linie 1 von Auhof bis zur Eisenbahnbrücke

Schon 1350 wurde der Hof zu Aw urkundlich erwähnt. Er befand sich im Besitz verschiedener Adelsgeschlechter und kam 1689 an die Starhemberger. Der Haupttrakt des Schlosses wurde im 16. Jahrhundert erbaut, Fassaden und Mansarddach stammen aus dem 18. Jahrhundert. 1961 verkauften die Starhemberger das Schloss und den 11.000 Quadratmeter großen, wegen seiner seltenen Bäume einst weithin bekannten Park an die Stadt Linz und das Land Oberösterreich zur Errichtung einer Hochschule. 1966 wurde die Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften eröffnet.

Sie ist nach dem bedeutenden Astronomen und Mathematiker Johannes Kepler, der 14 Jahre in Linz wirkte, aber wegen seines Glaubens – er war Protestant – schließlich die Stadt verlassen musste, benannt. Heute gliedert sich die Johannes Kepler Universität in drei Fakultäten: die sozial- und wirtschaftswissenschaftliche, die juristische und die technisch-naturwissenschaftliche Fakultät. Inzwischen wurde die Universität mehrmals erweitert. Zur Zeit studieren zirka 15.000 Menschen an der Linzer Uni.

Direkt an der Endhaltestelle der Straßenbahn sieht man heute noch Häuser aus der NS-Zeit, die ursprünglich als Kasernen verwendet wurden. Hier bestand auch ein russisches Gefangenenlager, in dem bis zu 5.000 Menschen lebten. Sie mussten als Zwangsarbeiter in verschiedenen Linzer Betrieben arbeiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet als russischer Truppenübungsplatz verwendet. Jetzt steht hier das Schulzentrum Auhof, welches in den siebziger Jahren gebaut wurde. Ein Gymnasium, eine Handelsakademie, eine Handelsschule und eine Höhere Bundeslehranstalt befinden sich in diesem Gebäudekomplex, der zirka 2.000 Schüler aufnimmt. Auch die Linz International School Auhof (LISA), an der Englisch neben Deutsch eine gleichwertige Unterrichtssprache darstellt, ist hier untergebracht.

Wir fahren an der Kirche Hl. Geist und am Volkshaus Dornach, welches im Zuge der Stadtteilbelebung und der kulturellen Dezentralisierung in den achtziger Jahren gebaut wurde, eine gute Infrastruktur mit Geschäften, Apotheken, Ärzten, Kindergarten, Jugendklub, vielen Kinderspielplätzen und anderem einzurichten, sodass im Gegensatz zu anderen Stadtrandgebieten hier eine echte Wohn- und nicht eine Schlafsiedlung entstanden ist. Seit den frühen achtziger Jahren leben hier etwa 1.000 Menschen.

Weiter geht die Fahrt, und wir sehen zur Rechten am Berghang die kleine Kirche von St. Magdalena. Diese Ortschaft hieß ursprünglich Haselbach beziehungsweise Hasselnachkirchen nach dem Haselbach, der aus dem Haselgraben kommt und um 1500 mindesten fünf Mühlen antrieb. Auf den sonnigen Hängen wurde bis 1820 Wein angebaut. Durch den Bau der Pferdeeisenbahn nach Budweis und deren feierliche Eröffnung durch Kaiser Franz I. 1832 gewann St. Magdalena an Bedeutung. Es entwickelte sich bald zum beliebten Ausflugsziel für die Linzer und Urfahraner. Heute ist die Pferdeeisenbahnpromenade ein beliebter Spaziergang. Bis zum Revolutionsjahr 1848 war das Gebiet von St. Magdalena auf elf Grundherrschaften – unter anderem Riedegg, Steyregg, Nonnberg, Garsten – aufgeteilt. Von da an bis zur Eingemeindung im Jahr 1938 bildete der Ort zusammen mit Katzbach, Steg, Dornach und Furt eine eigene Gemeinde.

Auf der linken Seite der Straßenbahn befindet sich das Biesenfeld-Hallenbad. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich südlich davon das Lager Schlantenfeld. In diesen Lagern, von denen heute nichts mehr zu sehen ist, lebten Intaliener, die Mussolini Hitler zur Verfügung gestellt hatten, sowie französische und tschechische Kriegsgefangene. Die meisten Linzer glauben, hier hätte es bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts nur Felder und Wiesen gegeben.

Durch die Ferdinand Markl-Straße, die nach dem Urfahrer Bürgermeister benannt ist, fährt die Straßenbahn Richtung Leonfeldner Straße, die als Saumstraße durch den Haselgraben schon im Mittelalter Bedeutung hatte und während der NS-Zeit verbaut wurde. Linz hatte vor dem Zweiten Weltkrieg knapp 120.000 Einwohner. Nach nationalsozialistischen Vorstellungen sollte die Stadt für 300.000 bis 400.000 Menschen ausgebaut werden. Im Sog der Schwerindustrie zogen viele Arbeitskräfte nach Linz, und bald nach dem Anschluss kam es zu umfangreicher Wohnbautätigkeit.
Urfahr war wegen der gesunden klimatischen Lage eines der Zentren der NS-Wohnbautätigkeit. Es entstanden die Siedlungen Karlhof, Hartmaier, Rothenhof, Führersiedlung-Harbach und Auberg. Wegen der 1939 herrschenden Wohnungsnot wurde auf Führererlass vom 25.3.1939 die Stiftung Wohnungsbau Linz a. D. gegründet, für die außerordentliche Mittel zur Verfügung gestellt wurden.

Beiderseits der Leonfeldnerstraße zwischen Harbach und Obersteg stellte die Gemeinde Siedlungsgründe zur Verfügung. Die Planungsaufsicht führte Reichsbaurat Rodrich Fick, der auch die Brückenkopfgebäude auf dem Linzer Hauptplatz entworfen hatte. Diese Führersiedlung galt als Musteranlage des NS-Wohnbaus. Im Kulturbericht der Stadt Linz 1941 lobte man vor allem die Naturverbundenheit dieser Siedlung, die Achsenplanung sowie die monumentale Bauweise. Ursprünglich sollten hier 1.900 Wohnungen entstehen; allerdings wurde nur zirka die Hälfte fertiggestellt. Die Schul- und Parteibauten sowie eine Badeanlage und diverse Handwerksbetriebe kamen nie zur Ausführung. Gebaut wurden diese Häuser, die auch heute noch wegen ihrer Wohnqualität geschätzt werden, vor allem von Fremdarbeitern beziehungsweise Kriegsgefangenen, die großteils in den Lagern Schlantenfeld, Dornach und Auhof untergebracht waren und teilweise keinen Lohn für ihre Arbeit bekam. Als Baumaterial verwendete man unter anderem Granit aus Mauthausen und Schlackenziegel, die als Abfallprodukt in den Hermann Göring Werken von KZ-Häftlingen hergestellt wurden. Es ist bemerkenswert, dass viele dieser Gebäude in Form eines Vierkanthofes mit den Hauseingängen im Hof angelegt sind – einerseits, um die Form des typisch oberösterreichischen Bauernhofes aufzunehmen, andererseits, um dem Blockwart einen guten Überblick über das Kommen und Gehen zu verschaffen.

Einleitung

Rundgang: Linz an der Tramway

Einleitung zum Rundgang

Einleitung zum Rundgang

Oft wurde die Stadt Linz spöttisch Linz an der Tramway genannt. Diese Bezeichnung kommt daher, dass es, abgesehen von der Linie M, auf die wir noch zu sprechen kommen, in Linz im Wesentlichen immer nur eine Straßenbahnlinie gegeben hat. An dieser Straßenbahnlinie liegt Linz wie an einem Fluß.
Die Linie 1, die von Auhof bis Auwiesen führt, bietet einen interessanten Längsschnitt durch die Geschichte von Linz.

Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert waren in verschiedenen Städten der Monarchie Pferdetramways errichtet worden: Wien 1865, Prag 1875, Triest 1876, Graz 1878. Auch in Linz gab es seit 1877 solche Pläne. Der Gemeinderat beschloss 1879, dem Generaldirektor der Triester Tramway, Ludwig Philipp Schmidt, die Errichtung einer Pferdebahn in Linz zu gestatten. Bislang hatten 37 zweispännige Fiaker, 42 Einspänner, elf Historische Aufnahme der Pferdeeisenbahn bei St. MagdalenaLohnkutscher und sechs Pferde-Omnibusse den innerstädtischen Personentransport bewältigt. Mit Rücksicht auf die geringe Straßenbreite wählte man eine Spurweite von nur 90 Zentimetern. 1880 wurde die Linzer Pferdeeisenbahn vom alten Urfahrer Bahnhof der Pferdeeisenbahn Linz-Budweis, deren Stallungen und Werkstätten als Remisen verwendet wurden, bis zum Volksgarten beziehungsweise bis zum Westbahnhof eröffnet.

Die Straßenbahnverwaltung musste, weil damals die Verzehrungssteuer und die Brückenamut am Donau-Brückenkopf eingehoben wurden, an den Pächter des Mautgebäudes eine bedeutende Abgabe leisten. Eine Fahrt von Urfahr bis zum Volksgarten kostete damals zehn Kreuzer, bis zum Bahnhof zahlte man 15 Kreuzer. 1895 wurde die Straßenbahn bis zum Mühlkreisbahnhof verlängert. In diesem Jahr wurde auch erstmals mehr als eine Million Fahrgäste befördert. Damals entstanden Überlegungen, die Bahn auf elektrischen Betrieb umzustellen, weshalb ein Electricitäts-Consortium gegründet wurde. An der heutigen Lederergasse entstand ein Dampfkraftwerk, das Strom nicht nur für den Straßenbahnbetrieb liefern sollte. Am Nachmittag des 5. Juli 1897 unternahm ein Motorwagen der neuen, vielbestaunten Elektrischen Probefahrten. Das Warnsignal der Pferdebahn war ein Pfiff, die elektrische Bahn gab Glockensignale. Dieses neuartige Geräusch machte die Linzer auf die ersten elektrischen Wagen aufmerksam. Die Fenster belebten sich, aus allen Läden und Häusern kamen die Leute hervor, die Menschen staunten und die Pferde scheuten.

Für die erste Fahrt am Samstag, dem 31. Juli 1897, standen in der Remise Urfahr drei mit Eichenlaub und Fähnchen festlich geschmückte Triebwagen bereit. Auch die Kontaktstangen waren mit Eichenlaub umwunden und an ihrer Spitze war ein Fähnchen befestigt. Um zehn Uhr bestieg Dr. Beurle die Plattform eines Triebwagens, begrüßte die geladenen Gäste und ersuchte sie, zur Eröffnungsfahrt der elektrischen Straßenbahn einzusteigen. Um 10.15 Uhr fuhr unter dem Krachen des Donners der erste Wagen aus der Remise. In Urfahr sowie auf dem Hauptplatz und auf der Landstraße hatte sich trotz strömenden Regens zahlreiches Publikum eingefunden. Bald nach dem Einlaufen der Festwagen in die Remise, etwa um 11.15 Uhr, fuhren auch schon die ersten Wagen hinaus, die dem allgemeinen Verkehr zu dienen hatten. Schon am ersten Tage benütze das Publikum bei dem herrschenden Unwettern gern die elektrischen Wagen.

Anfangs standen elf Motorwagen zur Verfügung. Angesichts der geringen Fahrgeschwindigkeit – zehn Stundenkilometer – war das Auf- und Abspringen während der Fahrt gestattet.

Im Dezember 1902 wurde der öffentliche Verkehr Linz-Kleinmünchen aufgenommen. 1914 eröffnete man auch die M-Linie zwischen Waldeggstraße und Weißenwolffstraße. Der Bau dieser Bahn war erst durch den Mozartstrassendruchbruch möglich geworden. Beim Bau ergaben sich bald Schwierigkeiten, weil nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein Großteil der beschäftigten Facharbeiter zum Militärdienst einberufen wurde. 1967 wurde die M-Linie auf Busbetrieb umgestellt.

1915 wurden gut 100 Frauen, davon elf als Wagenführerinnen und 69 als Schaffnerinnen, aufgenommen, die Männer waren an der Front. Doch nicht nur die Anzahl der weiblichen Bediensteten – 1917 arbeiteten 233 Frauen neben 236 Männern für die Straßenbahngesellschaft – erreichte im Ersten Weltkrieg Rekordhöhe, sondern auch die Zahl der beförderten Personen. Infolge mehrerer Fahrpreiserhöhungen im Zuge der galoppierenden Inflation gingen die Benützerzahlen in den zwanziger Jahren deutlich zurück.

1928 nahm die Linzer Elektrizitäts- und Straßenbahngesellschaft (ESG) den Autobusbetrieb auf, die ersten Busse fuhren vom Volksgarten ins Franckviertel, vom Hinsenkampplatz nach Katzbach und zum Jäger im Tal sowie vom Taubenmarkt auf den Freinberg.

In den dreißiger Jahren gingen die Benützerzahlen wegen der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage und des Ausbleibens der deutschen Urlauber stark zurück. Seit März 1938 gilt auch für die Straßenbahn die Rechtsfahrordnung.

Die Personenkontrolle auf der Brücke während der Besatzungszeit verzögerte den Verkehr erheblich. Die Zunahme des Individualverkehrs in den sechziger Jahren brachte einen Rückgang bei den ESG-Passagieren. Erst die Fortsetzung der Linie 1 bis Auhof 1979 lockte wieder mehr Leute in die Straßenbahn. In den achtziger Jahren wurde diese Linie in den neuen Stadtteil Auwiesen fortgeführt.

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